Teil 3 verpasst? Hier nachholen.
Gibt es demnach also gar keine Zukunft für zielgruppengerichtete Werbung, wie sie Facebook betreibt? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Einerseits sind die grundlegenden Überlegungen hinter dieser Art von Werbung aktuellen Urpsrungs, wie z.B. die Idee des Nichenmarketings, welches von zahlreichen Marketingexperten heute als den zu gehenden Weg angepriesen wird. Es sind andere Defizite, die es Yahoo! und Facebook erschweren, mit Marktführer Google mitzuhalten, wie z.B. das Ziel, dem Kunden massgeschneiderte Werbung bieten zu können. Wie schon bei den SmartAds von Yahoo! scheint es, als ob das Versprechen, die über den Benutzer bereits bekannten Informationen in die Werbung einfliessen zu lassen (und sie so für den Kunden attraktiver zu machen), auch bei Facebook nicht funktioniert. So wurden Blogger Alex Iskold, als er dieses Versprechen genauer untersuchen wollte, auf seinem Profil Anzeigen für Dating angezeigt – obwohl darauf unmissverständlich vermerkt ist, dass er bereits verheiratet ist. Auf der Facebookseite seiner Firma AdaptiveBlue warb Facebook laut Iksold zeitweise sogar mit pornografischen Inhalten. Diese Art von fehlgeleiteter Werbung ist gerade für (seriöse) Unternehmen problematisch und kann darüber hinaus ernsthafte Konsequenzen mit sich ziehen: „This sort of thing can cost us users, some of whom may not even realize that this is an advertisement. All they know is that they are looking at AdaptiveBlue’s Facebook group and could draw misinformed conclusions.“
Auch wenn weder das Modell von Facebook noch dasjenige von Yahoo! ausgereift scheint, so sind es grundlegendere Eigenschaften, aufgrund derer vorausgesagt werden kann, dass der erwartete Erfolg ausbleiben wird. Schauen wir uns dabei noch einmal Googles AdWords an: Wenn man auf Google nach etwas sucht, erscheinen die AdWords-Anzeigen (= Werbung) in Form von Suchresultaten; das heisst als etwas, für das man bewusst ein Suchwort eingibt und anschliessend den ,Google Search‘-Button drückt. Der Konsument will also in diesem Moment Vorschläge unterbreitet bekommen und befindet sich ergo nicht „in the middle of doing something else [...].“ Bei der Nutzung von Facebook sieht das jedoch anders aus. Wie vorhin besprochen unterscheiden sich die Absichten und Erwartungen des Nutzers, determiniert durch die jeweils angesteuerte Website. Auf Facebook begrenztsich die Absicht auf soziale Interaktion, und zwar mit anderen Individuen – und nicht mit Werbung.
Von diesem Standpunkt aus gesehen hat Facebook Werbung nicht neu erfunden, sondern verfolgt die Strategie von traditioneller Werbung: Der zufällig ausgewählte, passive Empfänger sieht zufällig ausgewählte Werbung zu einem beliebigen Zeitpunkt, welche in keinem direkten Zusammenhang mit seiner momentanen Aktivität, seiner momentanen Verfassung, seiner momentanen Absicht oder allfälligen Vorlieben steht. Werber und Konsument befinden sich also nicht auf gleicher Höhe. Bei Googles AdWords ist dieses Manko behoben: Die erhaltene resp. angezeigte Anzeige ist – weil verlangt – für den Konsumenten genau so wertvoll wie für den Anbieter. Die Waagschalen befinden sich also, bildlich gesprochen, auf der selben Höhe. Wenn man ganz konsequent sein wollte, müsste man sogar sagen, dass die ,Wertwaage‘ nicht (wie soeben festgehalten) 50/50 anzeigt, sondern eher 60/40 und mehr, jedoch heute zu Lasten des Anbieters und nicht mehr des Konsumenten. Mit zunehmender Auswahl nämlich wird für diesen eine einzelne Werbung von immer geringerer Bedeutung, da es mehr als genug andere Anbieter gibt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es bereits heute vielversprechende Ansätze gibt, die für eine neue Generation von Werbung stehen. Jetzt gilt es, diese Systeme auszubauen, zu optimieren, anzupassen und, sofern nötig, wieder fallen zu lassen. Google geht mit einem Bewertungssystem für geschaltete Werbungen einen Schritt in die richtige Richtung, indem für die beworbene Website automatisch ein quality score berechnet wird. Dieser bezieht sich nicht mehr nur auf den gebotenen Preis, sondern untersucht die eigentliche, beworbene Website, welche hinter der Werbung steht. So erhalten Seiten, dessen einzige Aufgabe es zum Beispiel ist, weitere Werbung zu verkaufen, eine niedrige Punktzahl und damit eine schlechtere Positionierung. Auf der anderen Seite muss der Auftraggeber einer mit einem hohen quality score versehenen Werbung weniger bezahlen, um eine gute Positionierung zu erhalten. Dies führt dazu, dass Werber mit tiefen Qualitätsbewertungen für eine Anzeige mit guter Positionierung soviel zahlen müssten, dass es für sie unrentabel wird. Massnahmen wie diese führen dazu, dass der Konsument auf sukzessiv immer bessere Werbung trifft, welche seinen Erwartungen mit grösserer Wahrscheinlichkeit gerecht werden kann. Gleichzeitig stellt ein solches System auch Ansprüche an den Werbenden und regt so zum Nachdenken an, wie die jeweilige Werbung möglichst bemerkenswert wird.
Das eigentliche Hauptproblem dabei stellt oft jedoch nicht der fehlende Wille seitens der Unternehmer dar, sondern die effektiv fehlenden Ideen, wie neue Werbemodelle, ohne dabei ein AdWords 2 zu schaffen, aussehen könnten. Scott Karp schlägt in seinem Artikel Dear Advertiser: Your Ad Sucks! drei Kontexte vor, welche an einer solchen neuen Art von Werbung massgeblich beteiligt sein könnten: Video und mobil empfangene resp. gesendete Inhalte im Abgleich mit personen- spezifischen, aus User-Profilen gewonnen Infor- mationen. Permanenter Abgleich dieser individuell genutzten Bereiche könnte als Basis für mass- geschneiderte Werbung dienen. Auch wenn diese Strategie bereits von Facebook und Yahoo! zumindest teilweise verfolgt wird, so bietet sie noch reichlich Potential, um ausgebaut zu werden – vorallem, da sie heute noch nicht wirklich funktioniert.
Eine andere Ursache, wieso sich bis heute nur Google wirklich auf dem Markt durchsetzen konnte, ist die Tatsache, dass für Googles AdWords kein Offline-Gegen- stück existiert. Karp sieht AdWords als „an entirely web-native form of advertising“, weil es dafür geschaffen ist, in der Internetumgebung zu funktionieren und sich mit dessen Vor- und Nachteilen zu arrangieren. Das Geheimnis von Google ist also, dass seine Art der Werbung für das Internet erfunden wurde – im Gegensatz zu Facebook, Yahoo! und jedem anderen Anbieter, hinter dessen Werbesystem sich noch immer dasjenige der traditionellen Werbung verbirgt.Der althergebrachte Weg funktioniert nicht, sobald er online analog übernommen wird. Auch wenn traditionelle Werbung via TV und Printmedien noch immer Verkäufe generiert, sehen Experten wie Seth Godin, Scott Karp, Eric Clemons oder Jakob Nielsen für adaptierte Abläufe keine Zukunft. Das Verhalten des Konsumenten hat sich geändert; hauptsächlich weil die Leute keine Geduld mehr für traditionelle Werbeformate haben, wie man sie schon in Printmedien oder TV zur Genüge gesehen hat. „People want sites to get to the point, they have very little patience“, kritisiert Jakob Nielsen die unnötige Implementierung von Werbung in unzählige Websites, auf denen vom Rezipienten gar keine solche erwartet wird, deshalb stört und als Resultat ignoriert oder kurzum weggeklickt wird. Die meisten Werbeangebote, die online zu finden sind, kreieren keinen Wert für Konsumenten, weil sie schlicht und einfach unrelevant sind.
Unrelevante Werbung ist tote Werbung. Konsumenten haben mehr Auswahl als je zuvor. Den dutzenden Kanälen, die via Kabelfernsehen erhältlich waren, stehen heute Millionen von Kanälen auf YouTube gegenüber – gratis. Lokale und nationale Radiosender sehen sich plötzlich mit der nahezu unendlichen Auswahl konfrontiert, die digitales, über das Internet distribuierte Radio mit sich bringt. Seth Godin bringt es auf den Punkt: Als Summe all dieser veränderten Rahmenbedingungen hat der Konsument heute die Macht zu sagen: „If I‘m not interested in what you have to say, I won‘t watch it. I‘m not a hostage any longer.“
Werbeschaffende müssen begreifen, dass heutzutage ihre Werbung die Geisel ist, gefangen in einer Welt der Ansprüche seitens der Konsumenten. Schafft sie es nicht in Sekundenschnelle, den Erwartungen gerecht zu werden, so ist ihr Leben von kurzer Dauer. Der alte one-to-many-Approach wurde modifiziert: Many steht heute nicht mehr für alle, sondern für diejenigen, die es interessiert und gewillt sind, hinzuhören. In einer Zeit, wo Konsumenten in erster Linie aufgrund der Nützlichkeit von etwas entscheiden, sind neue Formen der Werbung gefragt, die dem aktiven Konsumenten entgegenkommen und ihm genau das zu genau der Zeit geben, wann er dafür fragt. „Online advertising must create value for users or it will create little or no value for advertisers.“

Die 


Wikipedia, ein Inbegriff des Web 2.0, definiert 


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